Mit dem Wahltaxi durch Vorwald

Artikel der Grafschafter Nachrichten (Andre Berends) vom 12.09.2011

Harm Düsman aus Vorwald hat sich für gestern Mittag ein Taxi bestellt. Aber keine der beigen Limousinen mit Schild auf dem Dach und Taxameter am Armaturenbrett. Der 85-Jährige hat vielmehr einen Fahrdienst angerufen, der ihn zum Klubhaus des Sportvereins Grenzland Laarwald bringt. Dort hat die Samtgemeinde Emlichheim das Wahllokal eingerichtet, in dem Harm Düsman seine insgesamt zehn Stimmen für die Kommunalwahl abgeben möchte. Der Rentner nutzt ein kostenloses Angebot der Grafschafter Parteien: Er bittet um ein Wahltaxi.

Arne Helweg aus Ringe lenkt sein Auto gegen 11.30 Uhr auf den Hof von Harm Düsman. Der 23-Jährige ist Kreisvorsitzender der Jungen Union und übernimmt an diesem Tag für die CDU in der Samtgemeinde Emlichheim den Job des Chauffeurs. Harm Düsman öffnet die Haustür. Er hat sich in Schale geworfen, trägt Anzug und Krawatte. Extra für die Wahl? Der 85-Jährige schmunzelt. „Ich bin heute Morgen noch in der Kirche gewesen“, erklärt er. Er bittet Arne Helweg auf eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen hinein. Wie die Stimmung so ist, möchte er von seinem Fahrer wissen. Arne Helweg zieht die Augenbrauen hoch und zuckt mit den Schultern. Noch ein bisschen früh für eine erste Prognose.

Harm Düsman geht immer zur Wahl – ganz gleich, welches Kreuzchen gefragt ist. „Für mich ist das Wahlrecht eine Wahlpflicht“, berichtet der 85-Jährige und erklärt: „Wenn ich nicht zur Wahl gehen würde, unterstütze ich die Politiker, die ich nicht haben will.“ Die sinkende Wahlbeteiligung macht ihm Sorgen. Er kann nicht verstehen, warum viele Grafschafter nicht mitbestimmen wollen, wer sie in den nächsten fünf Jahren in den Räten vertreten soll.

Der Vorwalder ist nicht mehr ganz so gut zu Fuß. Er hätte die Briefwahl nutzen können. Aber der Gang ins Wahllokal gehört für ihn zu einem Wahlsonntag einfach dazu. Er ist in den vergangenen Jahren selbst gefahren oder hat sich von seinem Sohn Evert bringen lassen. Nun nutzt er erstmals das Wahltaxi. Harm Düsman schnappt sich seine Wahlbenachrichtigungskarte, die schon auf dem Küchentisch bereit liegt. Er geht nach draußen und steigt ins Auto ein. Von seinem Hof bis zum Klubhaus sind es knapp vier Kilometer.

Arne Helweg begleitet den Rentner bis zum Wahllokal. In einem Schaukasten neben dem Eingang zum Klubhaus hängen vier Muster-Wahlzettel aus. Harm Düsman schaut sie sich kurz an und geht hinein. Er hat sich vorher schon gut überlegt, wem er diesmal seine Stimmen geben möchte, zumindest im Gemeinderat. „Ich kenne die ja alle“, sagt er. Arne Helweg wartet vor dem Klubhaus. Drei Minuten später öffnet sich die Tür. „Das hätten wir“, sagt Harm Düsman und lässt sich zurück nach Hause fahren. Wie die Wahlen ausgegangen sind, erfährt er heute in den GN.